Der unmittelbare oder frühe Haut-zu-Haut-Kontakt (Skin-to-Skin Contact, SSC) zwischen Mutter und Neugeborenem gilt international als wichtiger Bestandteil einer bindungs- und stillfördernden Geburtshilfe. Dabei wird das nackte Neugeborene direkt nach der Geburt – oder innerhalb der ersten 24 Stunden – auf die nackte Brust der Mutter gelegt. Trotz klarer Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und von UNICEF ist diese Praxis in vielen Kliniken noch nicht konsequent umgesetzt. Ein aktueller Cochrane-Review von Moore et al. (2025) fasst die wissenschaftliche Evidenz zu den Effekten von unmittelbarem und frühem SSC zusammen und liefert eine umfassende Aktualisierung früherer Bewertungen.

Der Review schloss 69 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 7.290 Mutter-Kind-Paaren ein. Untersucht wurden gesunde reifgeborene und späte Frühgeborene (ab 34. Schwangerschaftswoche) nach vaginaler Geburt oder Kaiserschnitt. Ziel war es, die Auswirkungen von SSC auf Stillverhalten sowie kindliche und mütterliche physiologische Parameter zu bewerten.

Ein zentrales Ergebnis betrifft das Stillen: Der Haut-zu-Haut-Kontakt erhöht mit moderater Evidenz die Wahrscheinlichkeit für exklusives Stillen sowohl bei Entlassung bzw. bis einen Monat nach der Geburt als auch im Zeitraum von sechs Wochen bis sechs Monaten. Damit bestätigt der Review, dass SSC nicht nur den Stillbeginn erleichtert, sondern auch die Stilldauer positiv beeinflussen kann.

Auch in Bezug auf die physiologische Stabilität des Neugeborenen zeigt der Review Vorteile. Kinder mit frühem Haut-zu-Haut-Kontakt hatten im Durchschnitt eine etwas höhere Körpertemperatur und signifikant höhere Blutzuckerwerte, was auf eine bessere metabolische Anpassung nach der Geburt hinweist. Zudem deuten einzelne Studien darauf hin, dass sich die kardiorespiratorische Stabilität, gemessen mit dem SCRIP-Score, verbessern kann. Die klinische Bedeutung dieser Befunde ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.

Hinsichtlich der mütterlichen Physiologie, etwa der Dauer der Plazentaperiode oder des postpartalen Blutverlusts, ergab sich kein eindeutiger Vorteil. Die Evidenz hierzu ist aufgrund geringer Studienzahlen und hoher Heterogenität als niedrig bis sehr niedrig einzustufen.

Insgesamt kommen die Autorinnen und Autoren zu dem Schluss, dass unmittelbarer Haut-zu-Haut-Kontakt nach der Geburt – unabhängig vom Geburtsmodus – empfohlen werden sollte, da er das Stillen fördert und die Anpassung des Neugeborenen unterstützt, ohne nachgewiesene Nachteile zu zeigen. Künftige Forschung sollte methodisch hochwertiger sein und insbesondere Langzeiteffekte sowie mögliche Einflussfaktoren wie Medikamente oder Anästhesieverfahren genauer untersuchen.

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