Viele Frauen glauben, dass die monatliche Blutung unter der Pille ein wichtiger Bestandteil des natürlichen Zyklus sei. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch nicht um eine normale Menstruation.
Die sogenannte „Periode“ während der Pillenpause ist eine Entzugsblutung, die durch das vorübergehende Absetzen der Hormone ausgelöst wird. Sie entsteht nicht, weil ein Eisprung stattgefunden hat oder weil der Körper eine Schwangerschaft ausschließt. Aus medizinischer Sicht erfüllt diese Blutung daher keine wichtige biologische Funktion.
Warum gibt es die Pillenpause überhaupt?
Als die Antibabypille in den 1960er-Jahren entwickelt wurde, orientierte man sich bewusst am natürlichen Menstruationszyklus. Die monatliche Blutung sollte den Frauen das Gefühl vermitteln, dass ihr Körper weiterhin „normal“ funktioniert. Zudem hoffte man damals auf eine höhere gesellschaftliche Akzeptanz der neuen Verhütungsmethode.
Die heute übliche Einnahme von 21 Tabletten mit anschließender 7-tägiger Pause entstand daher vor allem aus historischen und kulturellen Gründen – nicht aufgrund einer medizinischen Notwendigkeit.
Was sagt die moderne Medizin?
Nach heutigem Wissensstand können viele Frauen die Pille auch ohne monatliche Pause einnehmen. Dieses Vorgehen wird als Langzyklus bezeichnet.
Dabei werden die hormonhaltigen Tabletten über mehrere Monate hinweg durchgehend eingenommen. Je nach Präparat kann die Einnahme beispielsweise über drei, sechs oder sogar zwölf Monate erfolgen, bevor eine Blutung zugelassen wird.
Vorteile eines Langzyklus
Viele Frauen profitieren von einer verlängerten oder kontinuierlichen Einnahme:
- Weniger oder keine Blutungen
- Weniger Regelschmerzen
- Weniger Migräneattacken während der Pillenpause
- Weniger Kopfschmerzen
- Weniger PMS-Beschwerden
- Bessere Kontrolle bei Endometriose
- Höhere Lebensqualität für viele Frauen
Insbesondere bei Frauen mit starken Menstruationsbeschwerden, Endometriose oder hormonabhängiger Migräne wird der Langzyklus heute häufig empfohlen.
Ist das gesundheitlich unbedenklich?
Für die meisten gesunden Frauen gilt: Ja.
Zahlreiche Studien konnten zeigen, dass eine kontinuierliche Einnahme der Pille hinsichtlich Sicherheit und Wirksamkeit mit der klassischen Einnahme vergleichbar ist. Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Körper eine monatliche Blutung benötigt, um „gereinigt“ zu werden oder gesund zu bleiben.
In den ersten Monaten können allerdings sogenannte Schmier- oder Durchbruchblutungen auftreten. Diese verschwinden häufig mit zunehmender Einnahmedauer.
Fazit
Die monatliche Blutung unter der Pille ist keine natürliche Menstruation, sondern eine hormonell ausgelöste Entzugsblutung. Aus medizinischer Sicht besteht in den meisten Fällen keine Notwendigkeit für eine regelmäßige Pillenpause. Moderne Einnahmeschemata mit verlängerten Zyklen oder kontinuierlicher Einnahme ermöglichen vielen Frauen eine bessere Kontrolle ihrer Beschwerden und mehr Lebensqualität. Ob ein Langzyklus sinnvoll ist, sollte jedoch immer individuell mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt besprochen werden.
