Alkohol in der Schwangerschaft: Warum „alkoholfrei“ oft nicht sicher genug ist
Liebe Patientinnen,
in unserer Praxis für Gynäkologie und Pränataldiagnostik in Berlin-Frohnau begleiten wir Sie mit größter Sorgfalt durch die aufregende Zeit der Schwangerschaft. Es ist uns ein großes Anliegen, dass Sie sich nicht nur medizinisch hervorragend betreut, sondern auch umfassend informiert fühlen. Ein Thema, das bei unseren Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig aufkommt, ist die Ernährung – und insbesondere die Frage nach sicheren Getränken. Folglich möchten wir heute über einen weit verbreiteten Irrtum aufklären, der die Gesundheit Ihres ungeborenen Kindes ernsthaft betreffen kann.
Die Täuschung hinter dem Begriff „alkoholfrei“ Viele werdende Mütter greifen gerne zu alkoholfreiem Bier, Sekt oder Wein, um auf Feiern anzustoßen oder sich einfach eine Erfrischung zu gönnen. Doch der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF) warnt eindringlich vor dieser Praxis[cite: 1]. In Deutschland dürfen Getränke, die als „alkoholfrei“ deklariert sind, gesetzlich bis zu 0,5 Volumenprozent Restalkohol enthalten[cite: 1]. Dieser Hinweis muss zudem nicht zwingend prominent auf dem Etikett stehen. Das betrifft beispielsweise alkoholfreies Bier, Malzbier sowie entalkoholisierten Wein und Sekt. Für Schwangere ist diese Kennzeichnung daher oft irreführend, weil „alkoholfrei“ eben nicht automatisch bedeutet, dass das Getränk komplett frei von Alkohol ist.
Warum bereits kleinste Mengen gefährlich sind Vielleicht fragen Sie sich nun, ob dieser minimale Restalkohol überhaupt ins Gewicht fällt. Die medizinische Antwort lautet ganz klar: Ja. Bereits geringe Mengen Alkohol gelangen nämlich über die Plazenta direkt und ungefiltert in den Blutkreislauf des Fötus. Während der mütterliche Körper den Alkohol abbaut, ist das ungeborene Kind diesem Zellgift schutzlos ausgeliefert. Die noch nicht vollständig entwickelte kindliche Leber kann den Alkohol nicht verarbeiten, sodass er wesentlich länger im kindlichen Organismus verbleibt]. Dort kann er die empfindliche Entwicklung von Gehirn, Organen und dem gesamten Nervensystem nachhaltig stören.
Diese potenziellen Schädigungen werden unter dem Begriff der fetalen Alkoholspektrumstörungen (FASD) zusammengefasst. Die Folgen können von Lernproblemen und Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu schweren körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen reichen. Jedes Jahr werden in Deutschland noch immer tausende Kinder mit solchen Schädigungen geboren, obwohl diese zu 100 Prozent vermeidbar wären. Weiterhin kann Alkoholkonsum in der Schwangerschaft das Risiko für Fehl- und Frühgeburten, Herzfehler sowie Wachstumsstörungen massiv erhöhen.
Es gibt keine sichere Dosis und keinen richtigen Zeitpunkt Trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse halten sich hartnäckige Mythen in der Gesellschaft. Häufig hört man, ein einziges Glas sei unbedenklich oder zu einem späteren Zeitpunkt in der Schwangerschaft weniger gefährlich. Wir möchten als Ihre behandelnden Ärzte jedochunmissverständlich klarstellen: Aus medizinischer und wissenschaftlicher Sicht gibt es absolut keinen Grenzwert für einen unbedenklichen Alkoholkonsum. Es gibt keine sichere Dosis, keine ungefährliche Phase in der Schwangerschaft und auch kein harmloses alkoholisches Getränk. Deswegen gilt zum Schutz Ihres Kindes nur ein einziger Wert als absolut sicher: 0,0 Promille.
Praktische Tipps für Ihren Alltag Um wirklich sicherzugehen, raten wir Ihnen, beim Einkaufen oder im Restaurant sehr genau hinzuschauen. Ein kritischer Blick auf das Etikett verrät oft, ob sich ein Zusatz wie „(<0,5 % vol.)“ darauf befindet. Im Zweifelsfall sollten Sie beim Servicepersonal oder im Fachhandel explizit nachfragen. WennSie auf Nummer sicher gehen möchten, greifen Sie am besten ausschließlich zu Produkten, die ausdrücklich mit „0,0 Prozent“ ausgewiesen sind. Verzichten Sie lieber auf Alternativen, deren genauer Alkoholgehalt nicht unzweifelhaft deklariert ist.
In unserer Pränataldiagnostik können wir viele Aspekte der kindlichen Entwicklung engmaschig überwachen. Dennochliegt die Prävention von FASD allein im vollständigen Verzicht auf Alkohol während der Schwangerschaft. Bei Fragen zu diesem Thema stehen wir Ihnen jederzeit gerne beratend zur Seite.
Weitere ausführliche Informationen finden Sie in der offiziellen Mitteilung des BVF: BVF: Nur 0,0 Promille Alkohol sind in der Schwangerschaft wirklich sicher
Ihr Team der Frauenarztpraxis Dr. Schmid, Berlin
